Akzeptanz- und

                                                                   Commitment - Therapie

                                

                                                                                

              

 

 

 

     

 

                       ISBN-3-932096-37-1

                  

              

       

 

 

Ein erlebnisorientierter Ansatz

zur Verhaltensänderung

 

 STEVEN C. HAYES

    KIRK D. STROSAHL

  KELLY G. WILSON

 

   Deutsche Übersetzung:

   Dr. med. Rainer F. Sonntag &

    Danielle Tittelbach  

 

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie („ACT“ – als ganzes Wort gesprochen) ist ein neuartiger Behandlungsansatz, der zur sog. „dritten Welle“ der Verhaltenstherapie gerechnet wird. Mit „dritter Welle“ ist gemeint, dass sich hier die Verhaltenstherapie mit dem ihr innewohnenden wissenschaftlichen Anspruch nun auch sehr komplexen Phänomenen des menschlichen Verhaltens nähert, die ihr bisher mit den Prinzipien des Konditionierungslernens und der kognitiven Informationsverarbeitung nur schwer zugänglich waren. Dazu gehören unter anderem Achtsamkeit, Akzeptanz, Spiritualität und persönliche Werthaltungen.

 

In der Akzeptanz- und Commitment-Therapie („ACT“) werden sowohl Akzeptanz- und Achtsamkeitsstrategien als auch Strategien der Verhaltensänderung und des engagierten Handelns eingesetzt. Das Ziel ist, die psychische Flexibilität zu erhöhen. Psychische Flexibilität bedeutet, dass eine Person in vollem Kontakt mit dem gegenwärtigen Moment und jenachdem, was die aktuelle Situation erfordert, ihr Verhalten ändern oder beharrlich beibehalten kann. Psychische Flexibilität ist in der ACT allerdings kein Selbstzweck, sondern steht im Dienst dessen, was der Person in ihrem Leben wichtig und was für sie bedeutungs- und wertvoll ist. Deshalb werden existentielle Lebensziele erarbeitet, die ihrerseits wiederum dazu dienen, die Motivation zu engagiertem und entschlossenem Handeln zu fördern und einen Weg zu einem wert- und sinnvollen Leben aufzuzeigen.

 

Die ACT geht unter anderem von der klinischen Erfahrung aus, dass logische Analysen, rationale Erklärungen und Einsichten oft nicht ausreichen, um einen therapeutischen Prozess voranzubringen. Warum das so ist, wird durch die Untersuchungen im Rahmen der Relational Frame Theorie (RFT) verständlich. Die RFT ist ein in der frühen 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begonnenes verhaltensanalytisches Forschungsprogramm, das menschliche Sprache und Kognition untersucht. Die in diesem Forschungsprogramm bisher durchgeführten Analysen zeigen, dass und wie Sprache und Kognition mit den unmittelbar gemachten Erfahrungen interagieren und zu erheblichen Einschränkungen psychischer Flexibilität bis hin zu einer weitgehenden Erstarrung der persönlichen Entwicklung führen können. Aus diesem Grund wird in der ACT überwiegend mit Metaphern, natürlichen Paradoxien, erlebnisorientierten Techniken und einer intensiven therapeutischen Beziehungsgestaltung gearbeitet.

 

 

 

 

Akzeptanz- und Commitment-Therapie

 

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie („ACT“ – als ganzes Wort gespro-chen) ist ein neuartiger Behandlungsansatz, der zur sog. „dritten Welle“ der Verhaltenstherapie gerechnet wird. Mit „dritter Welle“ ist gemeint, dass sich hier die Verhaltenstherapie mit dem ihr innewohnenden wissenschaftlichen Anspruch nun auch sehr komplexen Phänomenen des menschlichen Verhaltens nähert, die ihr bisher mit den Prinzipien des Konditionierungslernens und der kognitiven Informationsverarbeitung nur schwer zugänglich waren. Dazu ge-hören unter anderem Achtsamkeit, Akzeptanz, Spiritualität und persönliche Werthaltungen.

 

In der Akzeptanz- und Commitment-Therapie („ACT“) werden sowohl Akzep-tanz- und Achtsamkeitsstrategien als auch Strategien der Verhaltensänderung und des engagierten Handelns eingesetzt. Das Ziel ist, die psychische Flexibilität zu erhöhen. Psychische Flexibilität bedeutet, dass eine Person in vollem Kon-takt mit dem gegenwärtigen Moment und jenachdem, was die aktuelle Situa-tion erfordert, ihr Verhalten ändern oder beharrlich beibehalten kann.

 

Psychische Flexibilität ist in der ACT allerdings kein Selbstzweck, sondern steht im Dienst dessen, was der Person in ihrem Leben wichtig und was für sie bedeutungs- und wertvoll ist. Deshalb werden existentielle Lebensziele erar-beitet, die ihrerseits wiederum dazu dienen, die Motivation zu engagiertem und entschlossenem Handeln zu fördern und einen Weg zu einem wert- und sinn-vollen Leben aufzuzeigen.

 

Die ACT geht unter anderem von der klinischen Erfahrung aus, dass logische Analysen, rationale Erklärungen und Einsichten oft nicht ausreichen, um einen therapeutischen Prozess voranzubringen. Warum das so ist, wird durch die Untersuchungen im Rahmen der Relational Frame Theorie (RFT) verständlich. Die RFT ist ein in den frühen 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begonnenes verhaltensanalytisches Forschungsprogramm, das menschliche Sprache und Kognition untersucht. Die in diesem Forschungsprogramm bisher durchgeführten Analysen zeigen, dass und wie Sprache und Kognition mit den unmittelbar gemachten Erfahrungen interagieren und zu erheblichen Ein-schränkungen psychischer Flexibilität bis hin zu einer weitgehenden Erstarrung der persönlichen Entwicklung führen können. Aus diesem Grund wird in der ACT überwiegend mit Metaphern, natürlichen Paradoxien, erlebnisorientierten Tech-niken und einer intensiven therapeutischen Beziehungsgestaltung gearbeitet.

 

 

Behandlungsprinzipien

 

Die therapeutische Arbeit umfasst in der ACT sechs Behandlungskomponen-ten, die als Fertigkeiten aufgefasst werden können. Patienten (und Thera-peuten) lernen:

 

·    Bereitwilligkeit und Akzeptanz, d.h. unangenehme und schmerzliche innere Erlebnisse anzunehmen und das bedeutet, vom Kampf gegen sie abzulassen. Denn es ist oft dieser Kampf gegen die eigenen Gefühle, Gedanken und körperlichen Empfindungen, der dazu führt, das Menschen das eigene Leben und die Dinge, die ihnen eigentlich wichtig sind, aus den Augen verlieren.

 

·      Kognitive Defusion. Damit ist gemeint, die eigenen Gedanken nicht mehr so wörtlich bzw. ernst zu nehmen. Nach den Ergebnissen der RFT ten-dieren unsere Kognitionen dazu, sich in komplexen Netzwerken zu orga-nisieren. In diesen gedanklichen Netzen können wir uns so sehr verstrik-ken, das ihr Einfluss über den unserer direkt gemachten Erfahrungen weit-gehend dominieren kann. Wir sprechen dann von kognitiver Fusion (kognitiver Verstrickung). Ein allseits bekanntes Beispiel sind Vorurteile, die uns daran hindern können, eine Person so zu sehen, wie uns unmittelbar begegnet. Eine extreme Form kognitiver Fusion zeigt sich im Wahn. Die Fertigkeit der kognitiven Defusion soll Patienten (und Therapeuten) wieder für das öffnen, was ihnen unmittelbar begegnet.

 

·     Das Selbst als Ort und Raum des Erlebens (Selbst-als-Kontext). Eine besondere Klasse von Gedanken und Überzeugungen sind jene, die sich auf uns selbst beziehen, unser Selbstbild. Annahmen über uns selbst wie „Das kann ich nicht; das habe ich noch nie gekonnt“, „Da bin ich kein Typ für“, „So bin ich nun mal“ können ebenfalls zur Erstarrung unseres Verhaltens und der persönlichen Entwicklung beitragen. Dem begegnet die ACT mit speziellen Techniken und Übungen, die es Patienten (und Thera-peuten) ermöglichen, sich von solchen Selbstbildannahmen zu lösen, die die eigenen Verhaltens- und Entwicklungsmöglichkeiten einschränken und zwar, ohne sie verändern zu müssen. Anstatt uns mit auf uns selbst be-zogenen kognitiven Inhalten zu identifizieren, können Patienten (und Therapeuten) lernen, sich von der Bindung an sie zu lösen. Dann ist es nicht mehr nötig negative Selbstbildannahmen zu widerlegen oder positive verteidigen und beweisen zu müssen. Das eröffnet neuen Freiraum für die eigene Entwicklung.

 

·    Werte. Werte können dieser Entwicklung Richtung geben. Unter Werten bzw. Richtungszielen verstehen wir in der ACT sprachliche Formulierungen, die etwas darüber aussagen, wie wir leben und wie wir die Rollen, die wir in unserem Leben wichtig nehmen möchten, ausfüllen wollen. Werte bzw. Richtungsziele kann man nie erreichen; sie sind vielmehr an einer ge-wählten Haltung orientierte Qualitäten zielgerichteten Handelns und werden fortlaufend von einem Augenblick zum nächsten verwirklicht. Eine Vielfalt von Übungen trägt in der ACT der Gefahr Rechnung, Werte unter dem Einfluss von Erwartungen anderer (soziale Erwünschtheit), der Vermeidung von Gefühlen oder starrer Selbstbildannahmen zu formulieren.

 

·     Engagement (engagiertes Handeln, Commitment) ist eine Fertigkeit, in der es darum geht, die formulierten Werte im täglichen Handeln prak-tisch zu leben. Zu diesem Zweck werden immer umfassendere Muster wirkungsvollen Handelns auf der Grundlage der kontinuierlich formulierten Werte aufgebaut. Diese Handlungsmuster orientieren sich an konkreten, erreichbaren und wertebezogenen Zielen. Sie beziehen sich sowohl auf die zeitliche Perspektive (kurz-, mittel- und langfristige Ziele) als auch auf die Breite des Verhaltens (Generalisierung auf verschiedene situative Kon-texte).

 

·     Achtsamkeit ist in diesem Zusammenhang schließlich eine Fertigkeit, die dazu dient, direkte Erfahrungen, sprachvermittelte Informationen (ratio-nales Wissen), eigene Werthaltungen und die jeweils einzigartigen Gege-benheiten der augenblicklichen Situation „unter einen Hut“ zu bringen und in engagiertes Handeln münden zu lassen. Als nicht-bewertende (bzw. die ständigen eigenen Bewertungen registrierende) Selbstbeobachtung des eigenen Erlebens und Handelns liefert sie außerdem den Grundstock dafür, dass wir uns als Ort und Raum unseres Verhaltens und damit als GANZE Personen erleben können.

 

Anwendungsbereich und empirische Absicherung

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie orientiert sich nicht an syndro-malen Diagnosen etwa der ICD-10 oder des DSM-IV. Vielmehr handelt es sich um ein transdiagnostisches Behandlungskonzept, das sich an funktionalen und nicht an formalen Aspekten des Verhaltens orientiert. Wie es einem aktuellen Trend der Psychotherapieforschung entspricht (z.B. Rosen & Davison, 2003), geht die ACT bei Diagnose und Behandlung dementsprechend von empirisch validierten Verhaltensprinzipien und psychologischen Prozessen aus.

Wenn gleich die empirische Therapieforschung zur ACT noch in den Anfängen steckt, so wurden doch bereits eine Vielzahl von prozess- und ergebnisorien-tierten Therapiestudien veröffentlicht. Bisher hat sich die ACT unter anderem bei so unterschiedlichen Krankheitsbildern wie Depressionen, Angststörungen, chronischen Schmerzen, psychotischen Erkrankungen, Epilepsie und Diabetes als wirksam erwiesen. Eine aktuelle Übersicht findet sich bei Hayes und Mit-arbeitern (2006).

Literaturhinweise:

Hayes, S. C., Luoma, J. B., Bond, F. W., Masuda, A., & Lillis, J. (2006). Acceptance and commitment therapy: Model, processes and outcomes. Behaviour Research and Therapy, 44, 1-25.

Hayes, S. C., Strosahl, K. D., & Wilson, K. G. (2004). Akzeptanz- und Commitment-Therapie. München: CIP-Medien.

Rosen, G. M. & Davison, G. C. (2003). Psychology should list empirically supported principles of change (ESPs) and not credential trade-marketed therapies or other treatment packages. Behavior Modification, 27, 300-312.

Sonntag, R. F. (2004). Engagiertes Handeln lernen: Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie. In: Heidenreich, T., Michalak, J. (Eds.) Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie. Tübingen: dgvt-verlag, S. 297-355

Sonntag, R. F. (2005). Akzeptanz- und Commitment-Therapie: Ein Beitrag zur dritten Welle der Verhaltenstherapie. Psychotherapie, 10, 157-181.

 

Literatur zu ACT

ausführliche Literaturliste zum Einsehen und Downloaden

 

Literaturliste